Projekte


Inci Bozkaya
Erzählen und Belehren im Spannungsfeld pluraler Sinnangebote in den Fabeln des Burkard Waldis (Germanistik)

„Häufig erfolgt die Autorisierung des eigenen Textes über den Anschluß an bestehende Traditionen, im Sinne eines Wiedererzählens, Fortsetzens, Übertragens oder auch der Montage.
Will man diese Verfahren erschließen, sind die Stilisierungen von Autor-, Erzähler- und Sprecherrollen ebenso zu betrachten wie die Stabilisierung der Traditionen über rekurrente Erzähl- und
Gattungsmuster.“ (Kellner, Beate/ Wenzel, Franziska: Einleitung. In: Kellner, Beate/ Strohschneider, Peter/ Wenzel, Franziska (Hgg.): Geltung der Literatur. Formen ihrer Autorisierung und
Legitimierung im Mittelalter. Berlin 2005. (Philologische Studien und Quellen 190). S. IXf).
An Anschlussstellen in Texten, die sich für die Untersuchung solcher Verfahren eignen, lassen sich umgekehrt Strategien der Ent-Geltung, der Verunsicherung, der (Auf)Brüche im frühneuzeitlichen Erzählen festhalten. Den vereindeutigenden, festigenden „Strategien der Legitimierung und Autorisierung von Literatur in der Literatur“ (S. VII) tritt ein (mitunter durch Hierarchisierungtendenzen und Ordnungsansätze gezähmtes) von Pluralität geprägtes und verunsicherendes Erzählen entgegen. Ein solches Erzählen in der Fabelsammlung Esopus von Burkard Waldis aus dem Jahr 1548 in verschiedenen Kategorien wie etwa Erzählerhaltung, Geltungs- und Autoritätsansprüchen, dem Verhältnis der Narratio zum Morale oder auch Bearbeitungstendenzen nachweisbarer Quellen sichtbar zu machen, ist das Ziel der Dissertationsarbeit. Im 16. Jahrhundert ist die Fabelsammlung im deutschsprachigen Raum beliebt, man denke nur an Steinhöwel, Erasmus Alberus, Sebastian Brant oder auch Martin Luther. Durch die Bearbeitung u. a. der lateinischen humanistischen Fabelsammlung des sogenannten Aesopus Dorpii knüpft auch Burkard Waldis an traditionelle Erzähl- und Gattungsmuster an, nur schlaglichtartig sei etwa auf den Anschluss über den Titel an den sagenhaften Schöpfer der Gattung hingewiesen. Waldis folgt diesem traditionellen klassischen Fabelmodell im Esopus / Gantz Newgemacht in den ersten dreihundert Fabeln, um dann im letzten Buch, das Hundert Newer Fabeln beinhaltet, dies strukturell aufzubrechen. Stets der formalen Trennung zwischen Narratio und Morale verpflichtet, verschwimmen die inhaltlichen Grenzen zwischen Erzähl- und Auslegungsteil. Der Erzählteil schwillt quantitativ an, Mären-, Fazetien-, und Witzstoffe werden bearbeitet und ein Ich-Erzähler meldet sich zu Wort. Zugleich wird der Auslegungsteil narrativ aufgebrochen, es treten Autoritäten wie Bibelzitate, Sprichwort und Ich-Erfahrung in Konkurrenz zueinander, wodurch das Fabelgenre eine ganz eigene Prägung erhält.

Ulrike Dencovski
Finanzen und der englische Roman des 19. Jahrhunderts (Anglistik)

Dieses Projekt widmet sich der englischen Romanliteratur des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der in diesem Zeitalter virulenten und, so die Ausgangsthese, für das gesellschaftliche Selbstverständnis bestimmenden Finanzwelt. Mit "Finanzen" sollen hierbei vor allem Strukturen virtuellen Finanzhandels in den Fokus genommen werden – wie sie sich in Form von Aktienhandel, verschiedenen Formen des Investments und insbesondere der Börse darstellen. Dabei werden diese weniger als Strukturen des ökonomischen Systems, denn vielmehr in einem weiteren Verständnis als 'Kultur' begriffen. 
Vor diesem Hintergrund gilt es zu untersuchen, inwiefern von Zusammenhängen, oder gar Wechselwirkungen, zwischen einem von einer virtuellen Finanzwelt bestimmten ökonomischen Selbstverständnis oder einer solchen Denkstruktur im England des 19. Jahrhunderts und der Romanliteratur als spezifischem Diskurs dieser Zeit auszugehen ist. Gibt es hier so etwas wie eine vom virtuellen Finanzhandel durchdrungene 'Ökonomie der Repräsentation'? Ist also ein solches ökonomisches Bewusstsein durch bestimmte literarische Strukturen in den zu untersuchenden Romanen ästhetisch verankert? Welche ideologische Wirkung geht hiervon aus? Welche Form- und Funktionsanalogien und -devianzen lassen sich zwischen (literarischen) Verstehens-, Produktions- und Rezeptionsprozessen und Strukturen der virtuellen Finanzwelt auffinden? Kann beispielsweise die Börse als im weitesten Sinne 'hermeneutische Struktur' fungieren? Dies sind Fragen, mit denen sich dieses Projekt auseinandersetzen soll, um so einen aus heutiger Sicht besonders anschlussfähigen Themenkomplex – wie das brisante internationale Forschungsinteresse, in welches sich dieses Projekt einschreibt, bezeugt – aus neuer Perspektive zu beleuchten.

Carmen Dexl
Ethics and Aesthetics of Representations of Lynching in African American Narrative Literature, 1900–1973
(Amerikanistik)

Die Dissertation untersucht die Verbindung von Ethik und Ästhetik in der afro-amerikanischen Erzählliteratur, in deren Zentrum lynching als eine spezifische Form rassistisch motivierter Mobgewalt steht. Die Arbeit konzentriert sich auf sechs exemplarische Texte aus dem 20. Jahrhundert und analysiert die ethischen Implikationen und kulturellen Funktionen der Ästhetik. Dabei soll vor dem Hintergrund einer afro-amerikanischen Kulturgeschichte zwischen 1900 und 1973 vor allem herausgearbeitet werden, wie die ausgewählten Erzähltexte lynching in Relation zu dominanten Gewaltdiskursen und den soziokulturellen Bedingungen ihrer Zeit formal und inhaltlich verhandeln und unter welchen Vorzeichen bestimmte ästhetische Formen und Funktionen der Darstellung von lynching einsetzen. 
Der ethical criticism – wie er von Geoffrey G. Harpham und Richard Rorty geprägt wurde – dient als Interpretationshorizont für die Frage nach dem Leistungsvermögen der ausgewählten Texte, Normen, Wertvorstellungen und Prinzipien kritisch zu hinterfragen und auf diese Weise das, was latent, unbekannt, ausgeschlossen oder unterdrückt worden war, zu artikulieren und in den Diskurs einzubringen, so dass es neue Bewertungen erfahren kann. Am besten ist die Dissertation deshalb als kulturgeschichtlich und diskursanalytisch ausgerichtete Literaturwissenschaft verstanden, die die formale und inhaltliche Analyse eines literarischen Textes mit einer kontext- und funktionsorientierten Untersuchung narrativer Strukturen verbindet.
Weiterführende Publikationen:
"Ambiguity and the Ethics of Reading Race and Lynching in James Weldon Johnson's The Autobiography of an Ex-Colored Man (1912)", Current Objectives of Postgraduate American Studies COPAS 10 (2009)
"'A Lynching in Blackface'–The Representation of History and Fantasies of Black Male Violence in John E. Wideman's The Lynchers", COPAS 11 (2010)
"Moralphilosophie und Literaturwissenschaften im Dialog: Der Ethical Criticism der Gegenwart als Trendwende, Paradigmenwechsel oder Novum?" (erscheint 2011 im Tagungsband der 9. Erlanger Graduiertenkonferenz)

Maraike Di Domenica
Tragödie und Verhaltensnorm in der italienischen Renaissance
(Romanistik)

Die Renaissance bringt eine Neuorientierung in Kunst und Wissenschaft mit sich, die die dichterische Praxis mit poetologischen Systembildungen strukturiert abzugleichen sucht. Solche Versuche ereignen sich vor der anthropologisch-kulturellen Folie höfischen Lebens. In diesem Kontext arbeitet die Literatur zu guten Teilen der Ausbildung einer regen Verhaltensethik bei Hofe zu, die ihre streng zu befolgende Etikette auf Formgefühl und Selbstkontrolle baut. Literatur und Hof hängen oftmals sehr eng zusammen, nicht zuletzt auch deswegen, weil die dichtungspraktischen und dichtungstheoretischen Regulierungsbestrebungen in Analogie stehen zu den Bemühungen um die Herausbildung einer einheitlichen idealen Ästhetik höfischer Lebensentwürfe und höfischer Verhaltensnormen. In diesem geistigen Klima blüht die Dramenkultur in volgare auf. Das Bühnentheater schreibt sich handlungs- und figurensemantisch in höfische Zusammenhänge ein, und selbst der Raum der Theaterbühne wird zu einem sozio-kulturellen Brennpunkt der Stadtarchitektur und des vorherrschenden höfischen Familienkreises.
Im Zentrum des Interesses der Dissertation steht die Tragödie, die seit den späten 40er Jahren des Cinquecento einen beachtlichen Platz einnimmt, als die aristotelische Poetik – die bekanntlich bereits 1498 von Giorgio Valla ins Lateinische übersetzt worden war – intensiv studiert und kommentiert wird. Die Tragödienhistorie dieser Zeit ist von Versuchen bestimmt, die Praxis des Schreibens mit poetologischen Konzepten zu verzahnen, die nicht selten nachträglich von den Dichtern selbst manifest gemacht werden. Hinter der augenscheinlichen Einheit von dichterischer Praxis und normativem Regelsystem wird die Unruhe und Widersprüchlichkeit einer Zeit greifbar, die eine tragische Welt zu modellieren versucht zwischen dem ordnenden Bezugssystem eines oft als eingrenzend und rationalistisch empfundenen Aristotelismus einerseits und andererseits dem Tragischen als poetologischem Konstituens einer Gattung, die in der potentiell unkontrollierbaren affektischen Erschütterung und in einer von daher stets lauernden Gefahr der Decorumsüberschreitung ihren Horizont findet. Ausbruch und Bändigung tragischer Leidenschaft, deren Ausformulierung die Tragödientheorie ausführlich diskutiert, sind kein Selbstzweck literarischer Handlungsmodellierung, sondern haben im kulturellen Kontext der Zeit je spezifische höfische Valenzen. Von den ersten regulären Tragödien in volgare über weniger bekannte Tragödiendichter bis hin zum "Ausklingen" des Tragischen bei Tassos Re Torrismondo gilt das Augenmerk einer sorgfältigen Untersuchung des intrikaten Wechselspiels höfischer Verhaltensmaximen und der Normsetzung, die die tragische Praxis ebenso wie die Tragödientheorie in einem epistemisch vielschichtigen Kontext vorzunehmen versuchen.

Loredana Filip
Literature as a Life Science: The Enhancement Project in 21st Century North American Science Fiction (Amerikanistik)

Die Dissertation will ein Verständnis von Literatur als einer gesellschaftlich und wissenschaftlich relevanten Form von Wissensproduktion festigen. Mit Blick auf gegenwärtige lebenswissenschaftliche und technologische Diskurse zum Thema enhancement, also der Optimierung des Lebens, entwickelt die Arbeit eine interdisziplinäre Verknüpfung der Bereiche Literature und Science.
Das Mensch-Maschine-Hybrid erhält beträchtliche Aufmerksamkeit sowohl in wissenschaftlichen, als auch kulturellen Kontexten: vom Cyborg zur künstlichen Intelligenz oder dem „Quantified Self.” Technische und biowissenschaftliche Gestaltungen des Menschen werden insbesondere in zeitgenössischer Science Fiction ausgestaltet. Diese Phänomene markieren die Notwendigkeit eines Umdenkens hinsichtlich des Begriffs des Lebens. Meine Lektüren literarischer, kulturtheoretischer und naturwissenschaftlicher Texte werden insbesondere das darin häufig implizit konstruierte Menschenbild analyieren und im Dialog zwischen den Texten den Lebensbegriff neu und nuanciert konturieren. Die Analyse soll die Beziehung zwischen Geist und Körper neu reflektieren, um die Bedeutung von Affekt als einem dritten Agenten zu betonen. Demzufolge werden Narrative der Optimierung mit der Überlegung konfrontiert, dass ein körperliches und psychisches Verständnis des „Lebens” unvollständig ist. Literatur erhält in diesem Zusammenhang eine bis dato von der Forschung wenig beachtete wichtige Rolle: sie ist nicht nur ein wissenschaftspolitisch- und kritisch relevanter Diskurs, sondern auch eine life science, die vermittelt, was ich als „Affekt der Lebendigkeit” bezeichnen möchte.

Jasmin Dragaschnig
Narrative Representations of the Current Financial Crisies in American Popular Culture (Amerikanistik)

Untersuchungsgegenstand der Dissertation sind in den U.S.A. erschienene, populärkulturelle Texte - darunter Dokumentar- und Spielfilme, TV Produktionen, Romane sowie Sachliteratur – die Narration  als primäres „kognitives Instrument“ (Hayden White) nutzen, um das Phänomen der 2008 an der Wall Street hervortretenden Finanz- und Wirtschaftskrise allgemeinverständlich zu analysieren sowie politisch-gesellschaftlich zu deuten. Die Ausgangsthese hierbei ist, dass dieser populäre Diskurs, der komplementär zum ökonomischen Expertendiskurs verortet werden kann, innere Spannungen und Widersprüche aufweist. Schon bei einer ersten vergleichenden Betrachtung der ausgewählten Texte fällt auf, dass sie sich einerseits zwar durch eine kritische Zustandsanalyse der gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Ordnung auszeichnen, andererseits jedoch kaum das Betreben nach einer grundlegenden Revision der in die Krise geratenen Wirtschaftsordnung erkennen lassen. So verlassen die Narrative selten den Rahmen gesellschaftlich etablierter kapitalistischer und wirtschaftsliberaler Prämissen, deren Gültigkeit und Legitimität jedoch durch die aktuellen krisenhaften Umbrüche und Missstände an den Finanzmärkten, in der Politik sowie in der U.S amerikanischen Gesellschaft unvermeidlich auf die Probe gestellt werden. Dem Dissertationsprojekt liegt aufgrund dieser Beobachtungen die These zugrunde, dass diese populären Krisennarrative in ihrem Bemühen, die Finanzkrise begreifbar zu machen und dabei Mittel und Maßnahmen zur Konsolidierung des vertrauten Systems zu postulieren, an die Grenzen ihres eigenen Sinngebungs- und Konsolidierungs-Potenzials stoßen und somit selbst als krisenhaft begriffen werden können. Anhand konkreter Textbeispiele soll in einem jeweils medienspezifischen close reading exemplarisch herausgearbeitet werden, wie diese Krisenmomente auf Textebene sowohl die aktuellen wirtschaftlich-materiellen, politischen und zunehmend gesellschaftlichen Verwerfungen repräsentieren und reflektieren, als auch die ideologischen und damit narrativen Grenzen gesellschaftlich und kulturell etablierter Deutungsmuster aufzeigen. Dies bezieht sich vor allem auf die letzte der „großen Erzählungen“ – dem Narrativ des (Spät-) Kapitalismus, das für die U.S. Kultur auch eine identitätsstiftende Funktion erfüllt. Methodologisch lässt sich die Dissertation dabei an der Schnittstelle zwischen Literaturwissenschaften, Filmwissenschaften und amerikanistischer Kulturwissenschaft verorten.

Barbera Eichhammer
The Cultures of Authorial Presence: British Women Writers in 21st Century Popular Representations and Cultural Practices (Anglistik)

Dieses kulturwissenschaftlich ausgelegte Projekt widmet sich der Untersuchung verschiedener Formen und Funktionen von populärkulturellen Vergegenwärtigungen weiblicher Autorschaft. Ausgehend von der These, dass die in literaturwissenschaftlichen Diskursen postulierte ‚Rückkehr des Autors‘ in der britischen Populärkultur des 21. Jahrhunderts wirkmächtig neu verhandelt wird, beleuchtet die Dissertation in ausgewählten Fallstudien neben filmischen, literarischen sowie materiellen Darstellungen von britischen Schriftstellerinnen ebenso die Praxis des literarischen Tourismus. Dieser breitgefächerte Gegenstandsbereich ermöglicht es, sowohl mediale Diskursivierungen von Präsenz als auch die performative Dimension dieses Phänomens offenzulegen. Weibliche Autorschaft fungiert dabei als Denkstruktur bzw. Folie, vor deren Hintergrund zentrale kulturwissenschaftliche Kategorien wie nationale Identität, kulturelles Gedächtnis bzw. Vergessen, Gender, heritage sowie Nostalgie reflektiert und auch kritisch verhandelt werden können. Zudem ist es Ziel der Studie, das Konzept der Präsenz – im Sinne einer räumlichen wie auch zeitlichen Gegenwärtigkeit, die sich einer sprachlichen Beschreibung beständig zu entziehen scheint – für kulturwissenschaftliche Fragestellungen im Bereich der Anglistik anschlussfähig zu machen. So will das Projekt den spannungsreichen Nexus von (inszenierter) Präsenz und dessen stets mitgedachten Anderem, der Absenz, aufzeigen: Auktoriale Präsenzeffekte, so die Ausgangsthese, sind nämlich nicht nur immer schon von Absenz und Elementen der Fremdheit durchdrungen, sondern Absenz kann auch als konstitutiver Bestandteil solcher Präsenzerfahrungen gesehen werden.

Julia Fäcke
An den Grenzen der Sprache – Literarische Beschreibungen des Unsagbaren am Beispiel der späten Prosa Ingeborg Bachmanns und Samuel Becketts (Neuere Deutsche Literaturgeschichte)

Als Argumentationsgrundlage dient Ludwig Wittgensteins Tractatus Logico Philosophicus und Ingeborg Bachmanns Wittgensteinrezeption. Wittgenstein bemüht sich in seinem Werk, klar darzustellen, was in einer Sprache gesagt werden kann, um so negativ zu begrenzen, was nicht mehr Inhalt sinnvoller Sätze sein kann. Er öffnet in seinem Werk einen Raum des Unsagbaren, des "Mystischen", über den philosophisch nichts ausgesagt werden kann. Ingeborg Bachmann erweitert diese Aussagen mit Blick auf die Literatur und vertritt die These, dass Literatur in der Lage ist, Dinge zu sagen oder zu "zeigen", die für Wittgenstein als unsagbar gelten. Die Literatur der Moderne ist nun unter anderem dadurch gekennzeichnet, dass sie sich einer Begrenzung des sprachlich Darstellbaren in besonders hohem Maße bewusst ist, was seinen Ausdruck in der so genannten "Sprachkrise" der Jahrhundertwende findet. Ein hohes Maß an Bewusstheit der Sprachproblematik erscheint mir grundlegend für eventuelle Versuche, sich einem Unsagbaren (verstanden als die Vorstellung vom Unsagbaren dieser spezifisch geschichtlich gewordenen Kultur) anzunähern. Sowohl Bachmann als auch Beckett beziehen sich auf diese moderne Sprachkrise und behaupten beide in ihren expositorischen Arbeiten explizit, mit ihrer Literatur Grenzen des Sagbaren erweitern zu wollen. Das Promotionsprojekt versucht, den sprachlichen Strategien nachzugehen, die sich in der Prosa beider Autoren auffinden lassen und die, entsprechend kultureller Zuschreibungen, benutzt worden sein könnten, um auf Unsagbares hinzudeuten. Diese Strategien sollen so weit als möglich analysiert werden, um dann einen nicht-analysierbaren Rest, einen Bedeutungsraum, der nicht in diskursive Sprache übersetzbar ist, deutlich herausstellen zu können. Gesucht wird in erster Linie nach semantischen Lücken im Textgefüge, nach in die Sprache einmontiertem Schweigen, nach unauflöslichen Widersprüchen und strukturellen Analogien zur Musik.

Annegret Götz
Friedrich Karl Waechters Bilderbücher. Eine Monografie (Neuere Deutsche Literaturgeschichte)

In der literaturwissenschaftlichen Forschung existiert bislang keine umfassende Auseinandersetzung mit den Bilderbüchern von Friedrich Karl Waechter. Ziel der Dissertation ist es, dieses erhebliche Forschungsdefizit mithilfe einer literaturwissenschaftlichen Analyse aller 25 Bilderbücher zu tilgen und somit die erste Monografie über Friedrich Karl Waechters Bilderbücher zu erstellen. So sollen in chronologischer Reihenfolge die zwischen 1970 und 2005 erschienenen Bilderbücher auf Grundlage einer literatur- und kulturwissenschaftlichen Auseinandersetzung bezüglich der darin vorkommenden Motive und Verfahren untersucht werden. Ebenso soll auf verschiedene Realisierungen von Leseradressierung und Leseraktivierung eingegangen werden. Im Zuge der Analyse wird vor allem die Darstellung von Tod, Sterben, Gewalt sowie Sexualität betrachtet. Dasselbe gilt für Erscheinungen des Komischen und für die Waechterschen Sprachspiele in diesen Bilderbüchern. Überdies soll auch der Umgang mit Märchenmotiven und Stereotypen in der geplanten Dissertation analysiert werden. Zuletzt soll bei der Auseinandersetzung mit dem Waechterschen Bilderbuchwerk immer mitbetrachtet werden, inwiefern diese Bilderbücher sowohl an kindliche als auch an erwachsene Rezipienten adressiert sind und auf welche Weise der Rezipient zu einer aktiven und kritischen Rezeption herausgefordert wird. Das Besondere des Forschungsvorhabens ist der interdisziplinär angelegte Forschungsansatz, welcher für eine präzise Analyse unabdingbar ist. Denn das Bilderbuch hat eine Sonderstellung in der Literaturwissenschaft, da es sich durch eine wechselseitige Beziehung von Bild und Text auszeichnet, welche für das Medium Bilderbuch konstitutiv ist. So muss die literaturwissenschaftliche Herangehensweise ergänzt werden durch Zuhilfenahme von Überlegungen aus der Film-, Theater-, Kunst-, Bild- und Comicwissenschaft. 
Die geplante Dissertation möchte durch eine detaillierte Analyse von Friedrich Karl Waechters Bilderbüchern die erste literaturwissenschaftliche Monografie erstellen, in der sowohl der kreative wie kritische Umgang mit tabuisierten Themen untersucht werden soll und so die Aktualität von kritischen und Leser aktivierenden Bilderbüchern herausarbeiten.

Carolin Hennig
Dichtungstheorie und lyrische Praxis des Cinquecento im Spielraum von topischer Ordnung und Metaphysik (Romanistik)

Im literarischen Diskurs des italienischen Cinquecento prägt der Petrarkismus sowohl die lyrische Dichtungspraxis als auch deren theoretische Fundierung. Gleichzeitig laufen abseits der petrarkistischen Vorherrschaft Prozesse ab, die sich gerade nicht die uneingeschränkte formale und inhaltliche Nachahmung der Dichtung Petrarcas zum Ziel machen. Ab der Mitte des Cinquecento zeichnen sich in der Dichtungstheorie Tendenzen einer systematisch ordnenden Poetik ab, die vor dem Hintergrund topisch-dialektischer Versuche der Welterfassung zu positionieren sind. Diese Entwicklungen sind als drei unterschiedliche Ansätze zu differenzieren: Der systempoetologische Ansatz der aristotelischen bzw. aristotelisierenden Gattungspoetik unternimmt den Versuch, volkssprachliche und antike Dichtung in einen strukturierten Zusammenhang zu bringen und auf diesem Wege alle Genera in einem Gesamtsystem zu harmonisieren. Benedetto Varchi, Antonio Sebastiano Minturno und Torquato Tasso sind als Vertreter dieser theoretischen Ausrichtung zu nennen. Alle Dichtungsformen nicht nur abstrakt und deduktiv, sondern auch katalogisierend und thesaurierend vollständig zu registrieren, stellt eine weitere Herangehensweise zur poetologischen Bewältigung der Gattungsvielfalt dar, wie sie z.B. von Julius Caesar Scaliger unternommen wird. Mit seiner metaphysisch unterfütterten, den 'furor'-Gedanken implizierenden Poetik entwirft Francesco Patrizi einen dritten dichtungstheoretischen Ansatz zur Erfassung aller Gattungen. Die Dissertation befasst sich mit der Relationierung und Abgrenzung dieser unterschiedlichen poetologischen Theorien, an denen sich eine Distanzierung von Petrarcas Vormachtstellung abzeichnet und durch die die Ermöglichungsräume des literarischen Barock erschlossen werden. Insbesondere das Verhältnis von rational-topischer Ordnungs- und metaphysischer 'furor'-Poetik steht im Fokus der Untersuchung. Die Umsetzung der Theorien in der lyrischen Praxis, ihre Relevanz für eine theoretisch rückbindbare Mischung und Erweiterung der literarischen Genera stellen den zweiten Untersuchungsschwerpunkt der Dissertation dar.
Weiterführende Publikationen:
"Petrarkismus und Mythomotorik", in: Der Petrarkismus als europäischer Gründungsmythos [Gründungsmythen Europas in Literatur, Musik und Kunst 4], hg. v. Michael Bernsen, Bernhard Huss, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2011, S. 101 - 128.
"Benedetto Varchis Konzept der gelosia - Brüche im Gesamtsystem der Wissenschaften", in: Para/Textuelle Verhandlungen zwischen Dichtung und Philosophie in der Frühen Neuzeit [Pluralisierung und Autorität 26], hg. v. Bernhard Huss, Patrizia Marzillo, Thomas Ricklin, Berlin/ New York: De Gruyter, 2011, S. 359 - 378.

Carolin Hensler
„The Man is Dangerous to Him and Everyone Else“ – Täter- und Opferrollen im literarischen Werk des irischen Gegenwartsautoren Sebastian Barry (AT).
(Anglistik)

Das geplante Promotionsvorhaben besteht darin, das literarische Werk des irischen Gegenwartsautors Sebastian Barry in Hinblick auf die darin thematisierten Täter- und Opferdiskurse zu untersuchen. Es soll aufgezeigt werden, dass Barry seinen Figuren Täter- und Opferidentitäten verleiht, um anhand dieser Darstellungen die innere Zerrissenheit und Zustände von Traumatisierung in Irland primär in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts abzubilden. Täter- und Opferdiskurse dienen Barry als Mittel, um die Vorgänge und Geschehnisse während des irischen Freiheitskampfes gegen England und gegen politische Bewegungen im Inland bis hin zur Staatsbildung und darüber hinaus kritisch zu beleuchten. In der Dissertation soll herausgearbeitet werden, dass Barry über seine Figurendarstellungen als Täter, Opfer oder  Opfer-Täter unter anderem eine scharfe Kritik an den zeitgenössischen irischen Vorstellungen von Freiheit vornimmt. Diese werden in seinem Werk als Antriebsmotor für die individuelle und kollektive irische Befreiungsbewegung gegen außer- und innerstaatliche Fremdbestimmung beschrieben. In der Dissertation soll untersucht werden, wie Täter- und Opferrollen in den Werken Sebastian Barrys in inhaltlicher und stilistischer Hinsicht zur kritischen Hinterfragung sowohl der historischen Ereignisse als auch der irischen Vergangenheitsbewältigung bis heute eingesetzt werden. Neben einer Untersuchung der Darstellungen zur politischen Auslegung des Freiheitsbegriffes soll dabei auch auf die von Barry thematisierte (Nicht-)Gewährung von religiöser Glaubensfreiheit im zeitgenössischen Irland eingegangen werden.

Katrin Horn
Deconstructing Gender Hegemony, Queering the Cultural Mainstream: Camp as a Subversive Strategy in the Production and Reception of Contemporary American Popular Culture (Amerikanistik)

Das Ziel dieser Arbeit ist es, das umstrittene Konzept camp für die Untersuchung zeitgenössischer popkultureller Phänomene fruchtbar zu machen. Bei camp handelt es um einen ironisch-parodistischen Stil, der seinen Ursprung als Code der anglophonen, schwul-lesbischen Subkultur nimmt und sich durch Theatralität, Übertreibung und zur Schau gestellte Künstlichkeit sowie Humor und Doppeldeutigkeit auszeichnet. 
Anknüpfend an verschiedene poststrukturalistische und queere Ansätze zum Thema wird das subversive Potential von camp in der zeitgenössischen Populärkultur, also Film- und Fernsehproduktionen sowie Musikvideos der letzten zehn Jahre, untersucht. Dabei soll in Analysen von ausgesuchten Fallbeispielen herausgearbeitet werden, wie diese parodistisch-ironische Strategie eine alternative Lesart des populären Mainstreams eröffnet, welche den dominanten Diskurs vor allem in Bezug auf Geschlechtsstereotype und heteronormative Werte offen legt und potentiell unterwandert. Die Analyse der camp-Elemente wird so auch eine komplexere Beurteilung der Repräsentation von Frauen und sexuellen Minderheiten ermöglichen und darüber hinaus einen Zugang zur Populärkultur eröffnen, der über die allzu oft postulierte Dichotomie von passiver Assimilation und kompletter Opposition hinausgeht. Dadurch wird die Arbeit schließlich Aufschluss darüber geben, wie der Einsatz von camp es innerhalb des kommerziellen Mainstreams ermöglicht, Räume für kritische, gegen-hegemoniale Formen der Sinnstiftung und die Identifikation queerer Subjekte zu schaffen.
Weiterführende Publikationen:
"Camping with the Stars: Queer Perfomativity, Pop Intertextuality, and Camp in the Pop Art of Lady Gaga", COPAS 11 (2010)

Julia Kinzler
Britische Herrscherfiguren im zeitgenössischen Mediendiskurs (Anglistik)

Seit Ende der 1990er Jahre kam es im britischen Film zu einer Renaissance des Monarchie-Films. Das Dissertationsprojekt Britische Herrscherfiguren im zeitgenössischen Mediendiskurs befasst sich mit der semiotischen Repräsentation von Macht im internationalen Kontext. Hierbei liegt der Fokus auf der visuell-performativen Inszenierung von Herrschaftsmythen und den Strategien der Repräsentation personaler Herrschaft. Bislang ist in der anglistischen Kulturwissenschaft noch keine ausführliche Analyse dieser Fragestellung vorhanden. Den bisherigen Diskussionen liegen andere – insbesondere historisch-faktologische Perspektiven zugrunde. Mittels kulturwissenschaftlicher Kategorien wie Gender und Nation (als kulturelle Konstrukte bzw. Imaginationen), sowie einem diskursiven Verständnis von Geschichte, aber auch anachronistischen wie aktuellen Aspekten der Biographik sollen die Formen dargestellter Herrschaft untersucht werden. Anhand medienkulturwissenschaftlicher Ansätze werden in diesem interdisziplinären Projekt Fragen nach generischer Einordnung und Formatdifferenz, sowie nach Produktions- und Rezeptionsbedingungen (z. B. Paratexte auf DVD) gestellt. In diesem Zusammenhang wird auch die Anwendbarkeit von Star-Theorien auf die hier relevanten Begehrensstrukturen diskutiert. Als Untersuchungsgegenstand dienen zeitgenössische popkulturelle Spielfilme und TV-Serien (beispielsweise Elizabeth: The Golden Age, 2007; Young Victoria, 2009; The Tudors, 2007-2010).

Andreas Klein
Untersuchungen zu Hans Blumenbergs Absolutismus der Wirklichkeit (Neuere Deutsche Literaturgeschichte)

Im polyperspektivischen  Denken Hans Blumenbergs nimmt der Terminus des Absolutismus der Wirklichkeit eine besondere Stellung ein. Die Annahme einer dem Menschen übermächtigen und bedrohlichen Realität zieht sich in immer neuen Variationen durch das Schaffen des Philosophen. Gegen diese unwirtliche, angsterregende und opake Übermacht der Wirklichkeit setzt Blumenberg die Fähigkeit des Menschen, sich von dieser durch mentale und kulturelle Leistungen zu distanzieren. Blumenbergs Gedanke des Absolutismus der Wirklichkeit ist vielschichtig, besitzt zudem aber auch einen Teil an Unbestimmbarkeit. Im Rahmen des Arbeitsprojekts soll zunächst versucht werden, in Auseinandersetzung mit Blumenbergs Schriften, ein möglichst genaues Bild der Gedankenfigur des Absolutismus der Wirklichkeit zu zeichnen. Weiterhin gilt es zu analysieren, inwieweit Parallelen und Unterschiede zu Begrifflichkeiten wie Chaos, Kontingenz und Irrationalität existieren. Diametral entgegengesetzt der Annahme einer bedrohlichen, angsterregenden Realität stehen Erfahrungen einer absoluten Wirklichkeit, die mit einem tiefempfundenen Glücks- und Verbundenheitsgefühl einhergehen.Im Spannungsfeld dieser beiden Pole möchte das Vorhaben einen Beitrag dazu leisten, zu erforschen, ob diese entgegengesetzten Auffassungen einer letztgültigen Wirklichkeit gerechtfertigt werden können, ohne die jeweils andere auszuschließen.

Simona Oberto
Lyrikanthologien der italienischen Renaissance: Ihre implizite Poetik vor dem Hintergrund akademischer Programmatik (Romanistik)

Im Sog des rinascimentalen Pluralisierungsgeschehens, in den auch die autoritative Figur Francesco Petrarca gerät, basiert die Lyrikproduktion des späteren Cinquecento nicht mehr ausschließlich auf der Ausrichtung an einem Musterautor wie Petrarca. Vielmehr ergibt sich zunehmend die Möglichkeit einer Orientierung der Dichtungspraxis an systematisch ausgerichteten dichtungstheoretischen Gesamtentwürfen. Dabei ist interessant zu beobachten, wie sich die Beziehung zwischen Dichtungspraxis und Poetologie im einzelnen gestaltet und welchen Status die bisher durch den orthodox petrarkistischen Bembismus marginalisierten lyrischen Formen in diesem Zusammenhang einnehmen können.
In diesem thematischen Kontext soll die Untersuchung der Lyrikanthologien, welche im 16. Jahrhundert von diversen Renaissanceakademien Italiens publiziert worden sind, sowie ihrer poetischen und institutionellen Programme Aufschluss über diese literarischen Entwicklungen, über Verschiebungen und eventuelle Neu- bzw. Re-Etablierungen literarischer Autorität(en), etwa Dante Alighieris, geben. Im Vordergrund des Dissertationsprojektes stehen also insbesondere die Fragen: Wie ist das Verhältnis zwischen den Gedichtanthologien und ihrer akademischen 'Ideologie'? Gibt es einen Bezug der lyrischen Sammlungen zu den institutionellen Akademiestrukturen und wie gestaltet sich dieser gegebenenfalls? Welche lyrischen Formen werden von den Akademien aufgenommen (evtl. Rückbezüge auf antike Gedichtformen) und in welcher thematischen Kombination? Und: wie ist dabei die Gewichtung petrarkistischer und a-petrarkistischer Formen? Denn es wird ein weiteres Ziel der Dissertation sein zu eruieren, inwiefern die Akademien bei der Desintegration des Petrarca-Klassizismus eine Rolle gespielt haben können und welche Grenzen eines 'offiziellen' Gattungsverständnisses hierbei explizit oder stillschweigend zu überschreiten waren.

Varun F. Ort
Ästhetische Sattelzeit: Transformationen von
Mimesis und Moral an der Schwelle zur Moderne (Neuere Deutsche Literaturgeschichte)

Die kunsttheoretische Entwicklung des 18. Jahrhunderts – anhebend mit Gottscheds Critischer Dichtkunst (1730) bis in Goethes und Schillers klassizistische Traktate der 1790er Jahre hinein – stellt sich als intensive Auseinandersetzung mit den Konzepten ›Mimesis‹ (als ›Nachahmung‹ gefasst) und ›Moral‹ dar. Hierbei sind – was bisher kaum untersucht wurde – beide Begriffe funktional gekoppelt. Schon in Schillers Briefen Über die ästhetische Erziehung des Menschen (1795) hat jedoch die Mimesis ausgedient, während der Moralitätstopos seinen letzten Kulminationspunkt erreicht. Danach tauchen die bisherigen Leitkonzepte im ästhetischen Diskurs nicht mehr auf. Dieses wortgeschichtliche Verschwinden wird mit dem ideengeschichtlichen Verfall gleichgesetzt, der in Form der Dichotomie ›Mimesis‹ vs. ›Poiesis‹ zu einem Gemeinplatz der Forschung geworden ist. Dagegen möchte ich zeigen, dass das Zurücktreten der Begriffe gerade nicht mit einem Unwirksamwerden der Konzepte einhergeht, sondern dass diese unterhalb der diskursiven Oberfläche weiterwirken. Auf der Grundlage, dass von der Antike bis an die Wende zum 19. Jahrhundert das Theater die paradigmatische Kunstform war, vertrete ich die These, dass das ästhetische Modell, welches in den Ästhetischen Briefen vermittels der Begriffe ›Spiel‹ und ›Schein‹ entworfen wird, nicht als Negation, sondern als kategoriale Transformation des alteuropäischen Mimesiskonzeptes gelesen werden kann. Vor diesem Problemhorizont erörtere ich die Frage, warum, wenn doch eine Strukturanalogie zwischen den ästhetischen Entwürfen von Antike, Aufklärung und Sattelzeit besteht, Schiller die Begriffe Gottscheds oder Herders nicht mehr einsetzen konnte, um dieses Konzept zu verbalisieren.

Sophia Schmidt
Diskurse des Postmodernen im zeitgenössischen britischen Drama (Anglistik)

Die Arbeit setzt sich zum Ziel, verschiedene literatur- und theaterwissenschaftliche Methoden der Dramenanalyse zu verknüpfen und zu erweitern, um die Diskurse der Postmoderne im zeitgenössischen britischen Drama zu fassen. Fragen nach Realität in epistemologischer und ontologischer Hinsicht, die Dialektik von Realismus und Symbolismus auf dem Theater sowie die komplexe Beziehung von Theater und Mediatisierung in Bezug auf Formen von Repräsentation im Zeitalter der Postmoderne sind Untersuchungsgegenstände beider Teilfächer und lassen erst in einer synthetisierenden Betrachtungsweise adäquate Rückschlüsse zu. Zur Illustration dieser Problematiken sollen Dramenbeispiele von den unterschiedlichsten Autoren von Sarah Kane über Mark Ravenhill bis Martin McDonagh in die Arbeit einfließen. Die genannten Dramatiker lassen sich unter dem Schlagwort des In-yer-face Theaters zusammenfassen, das in dieser Arbeit zum ersten Mal systematisch mit einer dezidiert postmodernen Sensibilität in Verbindung gebracht werden soll. Im Fokus des Interesses stehen Fragen nach Ethik und Moral, der Darstellbarkeit von Gewalt und der Wirkung auf den Rezipienten. Zudem zeigen sich die Vertreter dieser Theaterform als ausgesprochen sensibel gegenüber den sozialen und ästhetischen Veränderungen, die eine zunehmende Dezentrierung und Dekonstruktion von Subjektivität mit sich bringt.

Robert Sippl
Das Gesetz der Kunst. Studien zur Transformation der Poetik um 1800
(Neuere Deutsche Literaturgeschichte)

Ziel der Dissertation ist der Nachweis, dass – entgegen der in der Forschung weit verbreiteten Auffassung – Gesetzen, Regeln und verbindlichen Techniken in der ästhetischen Theorie und künstlerischen Praxis um 1800 eine maßgebliche Bedeutung zukommt. Zu diesem Zweck werden in einem ersten Schritt zunächst die entsprechenden theoretischen Entwürfe Kants, Fichtes, Schellings, der »Weimarer Klassik«, der Frühromantik, Hölderlins und Kleists analysiert und auf ihren Zusammenhang mit zeitgenössischen Wissensdiskursen (Philosophie, Rhetorik, Anthropologie, Naturwissenschaften, Mathematik, Musikästhetik) befragt. In einem zweiten Schritt wird die praktische Relevanz der im ersten Teil der Dissertation erarbeiteten Ergebnisse in Interpretationen zu einschlägigen Texten (Schillers Wallenstein, Goethes Faust, Hölderlins Empedokles, Kleists Robert Guiskard sowie der Sonettistik) untersucht. Die Beschreibung der Literaturtheorie um 1800 als »Transformation der Poetik« bezweckt dabei zweierlei: Einerseits sollen Kontinuitäten und Differenzen zur Poetik der Frühen Neuzeit (insbesondere der Aufklärung) aufgezeigt werden, andererseits wird ihre Schlüsselrolle im Übergang zur literarischen Moderne betont. Zugleich versteht sich die Arbeit als ein Beitrag zu der Diskussion um die Einheit der Literatur um 1800, da dargelegt werden soll, dass sich alle behandelten Konzepte innerhalb eines bestimmten Rahmens bewegen, der auf der Basis von Bourdieus Theorie des »literarischen Feldes« rekonstruiert wird.

Mereth von Salomon
Die kulturelle Arbeit von Torture Porn in post-9/11 Amerika (Amerikanistik)

Das erste Mal verwendet wurde der Begriff Torture Porn 2006 von David Edelstein in dessen Kritik zu Eli Roths Hostel, in dem es vordergründig um die möglichst blutige, brutale, drastische Darstellung und Inszenierung von Folter zu gehen scheint. Das Thema der Folter ist das „the primary vehicle of fear“, die Narrative des Filmes wird nur durch die Szenen der Folter konstruiert und weiter voran getrieben. Das Torture Porn- Genre ist eines, das in seiner Gesamtheit im politischen und gesellschaftlichen Klima post-9/11 Amerikas verstanden und gelesen werden muss, nicht zuletzt weil es speziell nach 2001 vor allem unter jungen Amerikanern zusehends populärer wurde. Die verstärkte Visualisierung von Gewalt und Folter in amerikanischen Filmen und Fernsehserien brachte eine kulturelle „normalization via repetition“ solcher Bilder mit sich, die der Torture Porn bis zu einem gewissen Grad ermöglicht zu haben scheint. Marita Sturken beschrieb diesen Vorgang als „a seamless integration of the activity of torture“ (Sturken 434) in Fernsehen, Film und Serien. Es ist also zu vermuten, dass Torture Porn ein kulturelles Phänomen ist, das Folter und Gewalt im post-9/11 Kontext dem Mainstreampublikum als legitime plot line und Hauptmotiv näher gebracht hat. Weiter ist zu konstatieren, dass, bedingt durch die verstärkte Sichtbarkeit dieser Folter und Gewalt Torture Porn einerseits als Teil der Normalisierung solcher Bilder, andererseits als kritischer Diskurs über diese Normalisierung fungiert zu haben scheint.
Das Projekt beruht stark auf der, vor allem von Richard Slotkin formulierten, Theorie, dass es in amerikanischer Gedankengeschichte meist Gewalt ist, die Fortschritt und Wachstum bringt, sowie Richard Peases Konzept der state-fantasy work. Im post-9/11 Kontext sehe ich speziell die Ereignisse in Abu Ghraib und Guantanamo als eine Fortführung der Ideologie der „guten“ Gewalt und seiner Mythisierung als gerecht(fertigt) im Kampf gegen das größere Übel.
Konkret bedeutet dass, das die Folter und Erniedrigung von Häftlingen in Guantanamo und Abu Ghraib, der Krieg im Irak und in Afghanistan, aber auch Entwicklungen innerhalb der USA, wie die verstärkte Überwachung von Bürgern und die wachsende Angst vor dem und Kontrolle des kulturellen und ethnisch Anderen als ausschlaggebende Einflüsse auf das Genre analysiert werden. Weiter wird in dieser neohistorischen Studie Jane Tompkins' Konzept der kulturellen Arbeit angewandt, und führt zu der Frage, wie Themen, Konflikte und Fragen in post-9/11 Amerika in den Torture Porn Filmen thematisiert und bearbeitet werden. Was kann diese Beschäftigung mit derartigen Themen – in meinem Falle also Folter und Gewalt- im Film über die Gesellschaft, in der sie entstehen und derart erfolgreich werden können, aussagen? Inwiefern ist Torture Porn und dessen kulturelle Arbeit Teil gesellschaftlicher Neuverhandlungen und Wandel in amerikanischer Innen- und Aussenpolitik nach 9/11?

Katharina Vater
Generationenkonflikte – Zur Präsenz des Autobiographischen in Literatur, Theater und Film der deutschsprachigen Gegenwart. (Neuere deutsche Literaturgeschichte / Theater- und Medienwissenschaft)

Ausgangspunkt des interdisziplinär ausgerichteten Dissertationsprojekts stellt die immer wieder diskutierte und dennoch in vielerlei Hinsicht offen gebliebene Frage nach dem Verhältnis eines Werks zu seinem Schöpfer dar. Im Zentrum des Interesses stehen dabei fiktionale Werke aus allen drei Medienbereichen. Es soll anhand zeitgenössischer, deutschsprachiger Fallbeispiele untersucht werden, wie autobiographische Elemente in fiktionale Werke aus Literatur, Theater und Film eingearbeitet werden, welche Funktion diese im fiktionalen Kontext tragen und wie sie kategorisiert werden können. Thematisch scheinen sich die autobiographisch-fiktionalen Arbeiten stets mit Fragestellungen auseinanderzusetzen, die unter dem Hyperonym 'Generationenkonflikt' vereint werden können. Methodisch wird bei der typologischen Betrachtung des Phänomens mit Künstlerinterviews gearbeitet.
Vier wissenschaftliche Forschungsgebiete bilden folglich die Grundlage für die Analyse dieser autobiographischen, aber dennoch fiktionalen Produkte aus den Medienbereichen Literatur, Theater und Film: Die Autorschaftsforschung, die Autobiographieforschung, die Intermedialitätsforschung und die Interviewforschung. Eine besondere Chance bringen dabei die Mediendifferenzen mit sich, wie etwa die kommunikative Struktur von Theater und Film im Gegensatz zur Literatur. Die Erarbeitung eines interdisziplinär anwendbaren Begriffsapparats gehört, ebenso wie die Klärung des Autor-Text-Verhältnisses im fiktional-autobiographischen Kontext, zum Ziel des Projekts.

 


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